Zünder für Explosionen im All gefunden

Mit neuen Daten vom Chandra Röntgenobservatorium haben Forscher am Max- Planck-Institut für Astrophysik den Grund für eine bestimmte Art von Supernova gefunden. Diese kosmischen Explosionen sind für Kosmologen extrem wichtig, da sie für die Entfernungsbestimmung von Objekten im Universum genutzt werden, und damit Studien zur Ausdehnung des Universums erlauben. Die Ergebnisse zeigen nun, dass Typ Ia Supernovae entstehen, wenn zwei dichte Sterne, Überreste größerer Sterne am Ende ihrer Lebensdauer, miteinander verschmelzen.

Abb. 1: Bild der Supernova SN 1994d am Rand der Galaxie NGC 4526. In einer Supernova-Explosion scheint ein Stern kurzzeitig so hell wie eine ganze Galaxie.
Bild: NASA/STScI

Abb. 2: Komposition von Röntgen-, optischen und Infrarotaufnahmen der Galaxien M32, M105, NGC 3377 und NGC 3585 (im Uhrzeigersinn von links oben).
Bilder: Röntgen: NASA/CXC/MPA/M.Gilfanov & A.Bogdan; Infrarot: 2MASS/UMass/IPAC- Caltech/NASA/NSF; optisch: DSS

Die sogenannten Supernovae vom Typ Ia erlauben es, die kosmische Ausdehnung zu bestimmen, da sie auch auf große Entfernungen zu sehen sind und eine verlässliche Lichtkurve haben. Allerdings waren sich die Astronomen bisher nicht sicher, was genau diese Explosionen auslöst. "Es war wirklich äußerst peinlich, dass wir nicht wussten, wie diese Objekte funktioneren; sie sind dermaßen wichtig für unser Verständnis des Universums", sagt Marat Gilfanov vom Max-Planck-Institut für Astrophysik (MPA), der Erstautor des Artikels, der diese Woche in der renommierten Zeitschrift Nature veröffentlicht wird. "Jetzt fangen wir an zu verstehen, was diese Explosionen zur Zündung bringt."

Die meisten Wissenschaftler sind sich einig, dass eine Supernova vom Typ Ia dann entsteht, wenn ein weißer Zwergstern - der zusammengestürzte Kern eines alten Sterns - seine Massengrenze übersteigt, instabil wird und explodiert. Für die Massenzunahme gibt es zwei Möglichkeiten: entweder durch Akkretion, wenn der weiße Zwerg Materie von einem sonnenähnlichen Begleitstern ansaugt bis er seine Massengrenze erreicht, oder indem zwei weiße Zwergsterne miteinander verschmelzen.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Supernovae in den Galaxien, die wir beobachtet haben, fast alle durch die Verschmelzung von zwei weißen Zwergen, hervorgerufen werden", sagt Mitautor Akos Bogdan, ebenfalls vom MPA. "Das hatten die meisten Astronomen wohl nicht erwartet."

Die Unterschiede zwischen diesen beiden Szenarios könnte auch Auswirkungen darauf haben, wie diese Supernovae zur Entfernungsbestimmung im Universum eingesetzt werden. Weil es weiße Zwerge mit ganz unterschiedlichen Massen gibt, könnte die Helligkeit der Explosionen bei ihren Verschmelzungen etwas variieren.

Da in den beiden Szenarien unterschiedlichen Mengen an Röntgenstrahlung ausgesandt werden, beobachteten Gilfanov und Bogdan fünf nahe, elliptische Galaxien sowie den Zentralbereich der Andromedagalaxie mit dem Chandra- Observatorium der NASA. Wird eine Supernova durch kontinuierlich einströmende Materie verursacht, so sieht man bereits im Vorfeld der Explosion eine signifikante Röntgenemission. Beim Verschmelzen zweier weißer Zwerge andererseits, entsteht sehr viel weniger Röntgenstrahlung.

Die Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass die beobachtete Röntgenstrahlung etwa 30 bis 50 mal schwächer ist, als man es im Akkretionsszenario erwarten würde, was diesen Mechanismus praktisch ausschließt. Demnach dominiert die Verschmelzung zweier weißer Zwerge in diesen Galaxien. Ob dies allerdings auch in Spiralgalaxien der Hauptmechanismus für Typ Ia Supernovae ist, bleibt noch zu klären.

Ein weitere faszinierende Wirkung dieses Resultats besteht darin, dass Doppelsternsysteme aus zwei weißen Zwergen selbst mit den besten Teleskopen nur relativ schwer zu entdecken sind. "Viele Astrophysiker sahen das Verschmelzungsszenario auch deshalb als unwahrscheinliche Lösung an, weil es scheinbar zu wenige Doppelsternsysteme mit weißen Zwergen gibt", sagt Gilfanov. "Jetzt muss dieser Weg zur Supernova genauer untersucht werden."

Zusätzlich zu den Röntgendaten von Chandra wurden auch Daten vom Spitzer Weltraumteleskop der NASA sowie der 2MASS-Survey für dieses Ergebnis untersucht. Die Helligkeit im Infrarotlicht erlaubte es dem Team abzuschätzen, wie viele Supernovae es geben sollte.

Originalveröffentlichung

Marat Gilfanov & Akos Bogdan, "An upper limit on the contribution of accreting white dwarfs to the type Ia supernova rate", Nature, 18. Februar 2010

Weitere Informationen, Bilder und Multimedia finden Sie hier linkPfeilExtern.gifhttp://chandra.harvard.edu, linkPfeilExtern.gifhttp://chandra.nasa.gov und linkPfeil.gifComputersimulationen von verschmelzenden Weißen Zwergen


Kontakt:
Dr. Hannelore Hämmerle
Pressesprecherin
Max-Planck-Institut für Astrophysik
und Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Tel: +49 89 30000-3980
E-Mail: hhaemmerlempa-garching.mpg.de

Dr. Marat Gilfanov
Max-Planck-Institut für Astrophysik
Tel: +49 89 30000-2227
E-mail: mgilfanovmpa-garching.mpg.de